Im Allgemeinen
Erstmalig hatten wir uns die Kanarischen Inseln als Ziel ausgesucht. Gehört und gelesen hatten wir im Vorfeld schon einiges. Bekannt war natürlich auch, dass der Norden Teneriffas ein Wanderparadies sein sollte. Vorab informierten wir uns im Rother Wanderführer über Touren im Anaga- und Tenogebirge. Höhepunkt sollte das Kratergebiet des Pico del Teide (mit 3.718 m höchster Berg Spaniens) sein. Unseren Standort auf Teneriffa hatten wir zentral für die drei Wandergebiete gewählt. Ein Finca in La Guancha, von deutschen Auswanderern betrieben, war dann auch für drei Wochen unser Domizil.
Teneriffa hat über das ganze Jahr hinweg relativ gleichbleibende Temperaturen. Von daher sind die Jahreszeiten nicht so ausgeprägt wie in unseren heimatlichen Gefilden. Der Vorteil: Man kann dort zu jeder Jahreszeit wandern.
Besteigung des Pico del Teide
Ausnahme für eine gewisse Zeit ist der Pico del Teide, sobald er eine Schneehaube trägt.
Dann ist dieser Berg für Besteigungen gesperrt. Überhaupt kommt man nicht so ganz einfach auf diesen Gipfel. Man benötigt im Regelfall ein Permit, d.h. man muss die Besteigung rechtzeitig vorher bei der Behörde anmelden. Dies wird dann auch häufig durch Touristen genutzt, da eine Seilbahn den Anstieg bis zum Gipfel erleichtert. Was auf keinen Fall unterschätzt werden darf, ist eine ausreichende Höhenadaption. Es gibt auch Wanderer, die direkt von der Küste morgens auf 2.356 m (Seilbahnstation) mit dem Auto fahren, um dann weitere 1.200 m die Seilbahn benützend gen Gipfel streben. Man kann sich sicher vorstellen, was der Kreislauf in diesen wenigen Stunden anpassungstechnisch mitmacht. Da werden dann die letzten 163 m u.U. zur Tortur.
Besser ist, die Schutzhütte (Altavista) unterhalb des Gipfels (in 3.270 m Höhe gelegen) per eigener Beine zu erreichen, dann zu übernachten, um dann in aller Frühe den Gipfel zu besteigen. Für uns erübrigte sich das Ziel schnell, da wir kein Permit bekamen.
Nationalpark del Teide
Der Nationalpark del Teide ist wandertechnisch vielseitig erschlossen. Allein der Durchmesser der Caldera beträgt 17 Kilometer! Inmitten des Kraters gibt es ein einziges Hotel (Parador). Eine Übernachtung kann ich nur empfehlen. Am besten bei klarem Wetter. Ein unvergleichlicher Sternenhimmel entschädigt für die zusätzlichen Übernachtungskosten. Eine gut ausgebaute Straße führt mitten durch den Krater. Über die gesamte Jahreszeit ist mit Busverkehr im Krater zu rechnen.
Lohnenswerte Wanderrouten
Alle drei genannten Gebiete (Anaga, Teno und Pico del Teide) haben Wanderrouten für jede Altersklasse. Vom äußersten Nordwesten bis Nordosten und in der orografischen Mitte ist die Insel für Wanderer gut erschlossen. Wir empfanden aufgrund der Topografie den Nordosten (steiler) als schwieriger als den Nordwesten. Wichtig ist ein möglichst zentraler Standort für die Wanderungen. Da bietet sich vor allen Dingen die Umgebung von Puerto de la Cruz an. Die Stadt selbst war für uns gewöhnungsbedürftig (zu viele Menschen, zu laut).
Wanderung von Santiago del Teide nach Masca
Unsere erste Wanderung führte uns von Santiago del Teide nach Masca (Tenogebirge). Die Kammwanderung immer an der Wetterscheide des eher feuchten Nordens und des trockenen Südens entlang begeisterte uns gleich zu Anfang des Urlaubs. Es ist eine gute und leichte Wanderung auf überwiegend guten Wegen. Der Höhenunterschied beträgt im Aufstieg rund 400 m und im Abstieg 700 m. Von Masca kann man dann mit dem Bus wieder zum Ausgangsort zurückkehren.
Der Kraterrand des Pico del Teide
Da wir es dann kaum erwarten konnten in den Krater des Pico del Teide zu kommen, ging es dann zum Kraterrand des Pico del Teide. Mit dem PKW ging es von La Guancha (Finca) zum Nationalpark-Besucherzentrum „El Portillo“. Wir waren schon von der Anfahrt begeistert: Auf guter Straße geht es stetig bergan. Zuerst durch einige kleinere Ortschaften dann durch regenwaldähnlichem Gelände. Sobald man das waldreiche Gebiet verlässt, öffnet sich der Blick auf einen Großteil der Nordküste und die am Berghang gelegenen Ortschaften. Bei dem meist schönen Wetter einfach traumhaft! Unser Ziel war der Gipfel der Fortaleza (2.159 m). Der Höhenunterschied beträgt nur 300 m aber die Landschaft (Canadas) ist für einen bis dato nur in den Alpen und Pyrenäen wanderten Menschen einfach irre anzuschauen. Ich kann es nicht anders nennen. Man kann gar nicht genug Superlative anführen, um die Gegend zu beschreiben. Wüstenähnliche Landschaft, Farben von beige bis schwarz (alle denkbaren Brauntöne), seltene Pflanzen (z.B. Besenrauke und Teide-Ginster, die wir so noch nicht gesehen hatten), Gestein von bisher noch nie gesehener Vielfalt. Den Pico del Teide ständig im Blickfeld und am Rand der Caldere die rötlich-braune Fortaleza. Wir waren sofort von der landschaftlichen Vielfalt begeistert. Der Weg ist einfach und die Aussicht vom Gipfel vom Teide bis zum tief bewaldeten Orotava-Tal lohnenswert.
Guajara – der dritthöchste Gipfel Teneriffas
Von nun an hatte es uns der Krater angetan. Deshalb führte die nächste Wanderung wieder hoch hinauf. Der Guajara ist mit 2.718 m der dritthöchste Gipfel Teneriffas und höchste Erhebung in der Caldera des Kraters. Ausgangspunkt ist mitten im Krater das einzige Hotel Parador. Parkplätze sind reichlich vorhanden. Der Höhenunterschied zum Gipfel beträgt 650 m. Der Aufstieg ist leicht und gut ausgeschildert. Vom Gipfel öffnet sich der Blick in den riesigen Krater. Vis á vis ist der Blick in den gesamten Krater und auf den riesigen Vulkan Pico del Teide dominant.
Weitere durchgeführte Wanderungen
Von El Palmar nach Teno Alto (Teno-Gebirge), Rund um die Roques de Garcia (im Krater), auf die Montana Blanca (2.748 m), von der Casa Forestal nach Taganana (Anaga-Gebirge).
Ausrüstung
Die Wanderausrüstung gleicht der die wir in den Alpen (z.B. Dolomiten) auch benötigen. Dazu gehören bergtaugliche Wanderschuhe, Wanderstöcke, Tagesrucksack, warme Bekleidung (für die Touren am Pico del Teide) und vor allen Dingen auch einen guten Wind- und Regenschutz. Auf vielen Wanderungen muss man auch genügend Getränke und Verpflegung mitnehmen. Es gibt keine bewirtschafteten Hütten. Bei der starken Sonnenstrahlung muss man auch eine entsprechende Kopfbedeckung mit einplanen. Ein gut gefüllter Erste-Hilfe-Beutel ist obligatorisch. Das Gestein ist an vielen Stellen im Krater außergewöhnlich scharfkantig (wie Schlacke). In diesem Gelände verbietet sich ein Sturz. Deshalb sind m.E. Wanderstöcke unverzichtbar.
Unterkünfte
Durch Internetrecherche fanden wir eine Finca in La Guancha. Rund 150 Höhenmeter über dem Meer und der Hauptstraße. Der Zufall wollte es, dass die Vermieter der Ferienwohnung deutsche Auswanderer waren. Mit Helmut und Bianca schlossen wir schnell Freundschaft. Wir bekamen von ihnen viele wertvolle Tipps und konnten einige sonst private Räumlichkeiten nutzen. Zeltplätze haben wir im Norden keine gesehen.
Einige Bilder von mir sind auf der Internetseite von Helmut und Bianca (www.wandernaufteneriffa.eu) zu sehen.
Preise / Kosten
Puerto de la Cruz hat etliche Supermärkte. Das Angebot an fangfrischem Fisch ist unglaublich groß. In den größeren Orten der Insel gibt es preiswerte Möglichkeiten einzukaufen. Das Preisniveau ist im Durchschnitt günstiger als bei uns in Deutschland. Dies gilt auch für den Einkauf in den kleineren Orten.
Für den Flug von Weeze mit der Ryan-Air zahlten wir für 2 Personen rd. 400 €. Ein Tipp: Sollte man alle drei Gebirgsregionen im Norden besuchen wollen, so bietet sich ein Leihwagen an. Dies ist preisgünstig zu bekommen, allerdings nicht über die sonst üblichen Anbieter. Schaut doch mal bei www.billiger-mietwagen.de rein. Wir bezahlten pro Tag für einen Kleinwagen 19 € (0 € Selbstbeteiligung). Dafür bekommt man dann ein Auto, welches u.U. nicht mehr so ganz neu ist. Uns hat dies nichts ausgemacht. Der Wagen hatte 60.000 km auf dem Tacho und etliche „Macken“ am Blech. Diese waren vor Übergabe alle auf einem Übergabebogen gekennzeichnet. Sonst funktionierte alles einwandfrei. Bei der Rückgabe des Wagens hat kein Mensch den Wagen kontrolliert.
Straßen/Wege
Die Straßen sind absolut gut zu befahren (auch die in den Gebirgen). Im Anagagebirge nur etwas schmaler aber ebenfalls sehr gut befahrbar.
Wanderführer
Empfehlenswert ist der Rother-Wanderführer „Teneriffa“ (ISBN 978-3-7633-4016-3) der detailgenau 70 Routen beschreibt (Auflage von 2010). Ebenfalls empfehlenswert ist das von Peter Mertz herausgegebene Buch „Genusswandern auf Teneriffa“ (ISBN 978-3-7654-4573-6). In diesem werden ebenfalls sehr genau 36 Wanderrouten beschrieben (teilweise deckungsgleich mit Rother-Touren).
Wetter
Ein stark das Wetter beeinflussender Faktor auf den Norden Teneriffas sind die Passatwinde. Diese Winde entstehen durch den Einfluss eines Hochdruckgebietes im Norden der Kanaren, im allgemeinem das Azorenhoch und einem Tiefdruckgebiet im Süden. In der Höhe zwischen 500 m bis 1.200 m regnet es deshalb im Norden der Insel öfters bzw. es ist häufiger nebelig. Wir hatten sehr gutes Wanderwetter im Zeitraum September/Oktober.
Fazit
Auf vielen Wanderungen hat man gleichzeitig eine traumhafte Sicht auf den Atlantik. Wanderrouten gibt es für jede Altersklasse. Der Nationalpark Pico del Teide ist einmalig schön und unvergleichlich mit den Alpengebieten. Die Menschen die wir trafen waren hilfsbereit und entgegenkommend. Spanischkenntnisse sind von Vorteil aber nicht unbedingt notwendig. Schön war es, dass man auf einer Finca eine schöne Wohnung mit Familienanschluss hatte. Das was hängenbleibt: Teneriffa ist nicht nur eine Reise wert. Wir werden diese Insel auf jeden Fall wieder besuchen.
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Leider ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass man herrlich auf Teneriffa wandern kann. Dabei gibt es so schöne Ecken dort, die man erkunden kann. Dennoch bleibt für viele Teneriffa nur als Strandurlaub oder der Loro Park im Gedächnis, was zwar auf der einen Seite auch schön ist, auf der Anderen aber auch schon sehr traurig!!! Man muss wirklich mehr Werbung machen in Sachen Aktivreisen, aber ich fürchte die meisten wollen eh nur entspannung pur und nichts von der Kultur und der Gegend kennenlernen, schade eigentlich! Toller Blog, weiter so!
Ja – du hast Recht, viele sehen nur eine Seite von Teneriffa. Doch sind wir optimistisch, gerade weil schon einige aufgrund des Berichts einen Urlaub auf Teneriffa gebucht/verbracht haben und diese ihren Urlaub mit Sicherheit weiterempfehlen.
Ich bin auch leidenschaftlicher Wanderer. Auf Teneriffa war ich recht häufig, auch überwiegend zum Wandern. Das geht da sehr gut, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Für fast jeden Schwierigkeitsgrad sind dort Wanderungen möglich. Der Artikel ist sehr nett geschrieben und sehr informativ. Auch die Bilder gefallen mir sehr gut.
Vielen Dank!
Lieben Gruss
Christian