Die Insel im Allgemeinen
Korsika ist ein phantastisches Wanderland. 50 Zweitausender recken sich in den im Sommer zumeist blauen Himmel. Der höchste Berg ist der Monte Cinto mit 2.706 m, der nur 24 km von der Westküste entfernt liegt. Es bietet rundherum um die Küstenstreifen sowie in Landesinneren traumhaft schöne Wandergelegenheiten aller Schwierigkeiten. Mai und Juni sind vom Wetter so, dass man bei angenehmen Temperaturen wandern kann.
Die Paradetour ist sicher der bekannte Höhenweg des Grand Randonee (GR) 20. Teilstücke davon sind sicher auch von weniger professionellen Bergwanderern zu begehen. Schon in 2010 verbrachten wir 4 Wochen Wanderurlaub auf Korsika. Damals waren hauptsächlich die Küstengebiete unser Ziel. Ich hatte mich im Vorfeld, wenige Monate vor Reisebeginn, einer Meniskusoperation unterziehen müssen. Von daher liefen wir vorwiegend die Küstengebiete ab. Besonders gut habe ich noch die „Pfade der Zöllner“ im Norden der Insel in Erinnerung. Auf den Punkt gebracht: Tolles Landschaftserlebnis mit ständigem Blick auf das Meer und kaum frequentiert. Wir sparten damals die anspruchsvolleren Touren aus und planten diese dann für unseren 4-wöchigen Urlaub in 2011. Ende Mai 2011 liefen wir per Fähre von Genua kommend in Bastia ein.
Die geplante Route
Wir wollten wieder eine Inselrundtour machen. Von Bastia fuhren wir zuerst in den Nordosten (Sisco) der Insel und wechselten dann nach Algajola (in der Nähe von Calvi). Von dort ging es dann für eine Woche nach Corte ins Landesinnere. Bonifacio (südlichster Ort auf Korsika) und Moriani Plage (Ostküste ca. 50 Km südlich von Bastia) waren dann unsere Abschlussstandorte auf der Insel. Natürlich „rannten“ wir nicht nur die Insel ab. Korsika hat erstklassige Strände zum Baden, Verweilen und Relaxen.
Lohnenswerte Wandertouren und ein Abenteuer
Im Norden der Insel wanderten wir von Chioso zur Bocca di san Giovanni (959 m). Es handelt sich dabei um eine ganz leichte Wanderung mit rd. 800 Höhenmetern. An der Kapelle Giovanni angelangt kann man die komplette westliche und östliche Küste des nördlichen „Fingers“ sehen.
Nach dem Standortwechsel in Richtung Calvi (Nordwesten) machten wir eine Wanderung durch die Balagne (von Lumio nach Lavatoggio). Die Balagne ist die fruchtbarste Kulturlandschaft Kosikas. Die Wanderung ist ebenfalls leicht und mit 300 Höhenmetern eher eine Halbtagestour. Der Ausblick vom Höhenweg in Richtung Calvi und Küste ist unglaublich schön. Wir steigerten uns dann langsam was die Länge der Touren anging. Von der Auberge de Bonifatu zur Bocca di Bonassa ging es dann von 536 m auf 1153 m. Aufgrund der Länge der Tour bis dato unsere anspruchsvollste.
Die nächste Tour sollte dann das absolute Highlight werden. Allerdings nicht so wie wir uns das in unseren kühnsten Träumen hätten vorstellen können. Wir waren wieder im Gebiet des Cirque de Bonifatu unterwegs. Ziel war an diesem Tag die Carrozu-Hütte (750 Höhenmeter). Unter normalen Umständen eine schöne Wanderung in einem Felskessel und durch Bergwald. Das Wetter war von Anfang an bewölkt. Regen Fehlanzeige. Schon am Ausgangspunkt an der Aubergé de la Foret zeigte uns die Ansammlung an Kraftfahrzeugen, dass wir nicht allein sein würden. Von Anfang an bewegten wir uns im Bergwald. Der Weg war gut beschildert und gut begehbar. Ungefähr auf der Hälfte der Wegstrecke musste eine Hängebrücke überquert werden, die ca. 3 m über Grund hing. Darunter schlängelte sich ein kleines Bächlein gen Tal. Ab Brücke gewannen wir schnell an Höhe und nach rd. einer Stunde traten wir bei der Corazzu-Hütte in den Gastraum.
Die letzten 100 m zur Hütte dann unter Dauerbeschuss großer Regentropfen. Die Hütte selbst ist mit einer Dolomitenhütte nicht vergleichbar. Die Hütte hat keinen Strom. Teelichter lieferten ein wenig Aufhellung in der Hütte, die zu diesem Zeitpunkt schon ausgebucht schien. Der Raum mit den Lagern war bereits von Tourengehern belegt. Uns gefiel die Hütte aufgrund ihrer Einfachheit. So muss es auch Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Alpenvereinshütten ausgesehen haben. Die nächsten 90 Minuten konnte man nicht vor die Tür gehen, da es sintflutartig schüttete. So etwas hatte ich in rd. 40 Bergjahren nicht erlebt. Ich ging zwischendurch immer mal wieder zur Tür, um die Wetterbedingungen zu checken. Wir hatten uns zwischenzeitlich eine Uhrzeit gesetzt, an der spätestens der Rückweg angetreten sein musste, wollte man nicht in die Dunkelheit geraten.
Nach 1 ½ Stunden Wartezeit beschlossen wir den Rückweg anzutreten. Gleichzeitig mit uns verließen auch noch vier junge Franzosen die Hütte. Wir kamen zuerst gut voran. Ein erstes Hindernis, welches sich durch den Regenfall generiert hatte konnte noch trockener Knie durchwatet werden. Auf dem Hinweg war an der gleichen Stelle allerdings keine Spur von Wasser. Also: Schuhe und unterstes Drittel der Hose war durchnässt. Nach wenigen Minuten kamen wir wieder zu einer mittlerweile zu einem tosenden Fluss mutierten Stelle. Wir hatten schon gleich an der Hütte unsere Wanderstöcke* bereit gemacht. Der Bergpfad war mittlerweile aufgeweicht und eine Rutschpartie drohte. Nun standen wir vor einem ca. 4 m breiten, stark abfallenden Gelände durch die der Fluss mit lautem Tosen hinabstürzte. Die Tiefe der Stelle ließ sich lediglich abschätzen. Wir bildeten mit den vier Franzosen eine Kette (mit den Wanderstöcken), um einigermaßen sicher das gegenüberliegende Ufer zu erreichen. Die Fluten schlugen diesmal bis zum Hosenbund. Ausrutschen war absolut verboten! Wir überstanden auch dieses Hindernis unbeschadet.
Eine weitere Stelle mussten wir auf dem Weiterweg dann nochmals durchqueren. Mittlerweile lief das Wasser auf der Höhe der Brust in die Bekleidung. Aufgrund der Geländearchitektur sammelte sich in dem Kessel das Wasser und rauschte von den Hängen zu Tal. Die Brücke auf halbem Wege lag nun nur noch ca. 10 cm über Wasseroberkante. Darunter gurgelnd, zischend und ein mit weiteren unbeschreiblichen Lauten vorbeiziehender Fluss. Am Ausgangsort angekommen wurden wir von etlichen Bergfreunden angesprochen, die nach ihren Berggefährten fragten. An diesem Tag sollte jedoch keiner mehr den Rückweg schaffen. Wir waren auch froh, dass wir zwar nass aber vollkommen unbeschadet zurückgekehrt waren. Man lernt halt nie ganz aus! Vorab kann ich schon versichern, dass es kein weiteres Bergabenteuer mehr gab. Die nächsten Wanderungen sollten uns dann ins Landesinnere führen. Von Corte machten wir Touren ins Tavignanotal, zum Melosee im Restonicatal und später im Süden von Bonifacio zum südlichsten Zipfel Korsikas (Capo Pertusato) mit wunderschöner Sicht auf die Küste Sardiniens (11 km Luftlinie).
Ausrüstung
Die Wanderausrüstung gleicht der, die wir in den Alpen (z.B. Dolomiten) auch benötigen. Dazu gehören bergtaugliche Wanderschuhe, Wanderstöcke, Tagesrucksack, warme Bekleidung (am Melosee hatten wir bei starkem Wind gefühlte Minustemperaturen) und vor allen Dingen auch einen guten Wind- und Regenschutz. Auf vielen Wanderungen muss man auch genügend Getränke und Verpflegung mitnehmen. Es gibt nicht allzu viele bewirtschaftete Hütten. Bei der im Juni schon starken Sonnenstrahlung muss man auch eine entsprechende Kopfbedeckung mit einplanen. Die Campingausstattung ist sicher etwas individueller zu sehen. Wir hatten das ganze Kochgerödel dabei. Dies hat dann vorrangig positiven Effekt auf das Portemonnaie.
Unterkünfte
Wir waren wieder mit unserem Zelt unterwegs. Die warme Witterung im Juni lädt geradezu dazu ein. Rund um die Insel sind gute, meist einfache Campingplätze vorhanden. Die Preise liegen zwischen 20 € – 25 € für ein Zelt, 2 Personen und einem PKW.
Preise und Kosten
In den größeren Orten der Insel gibt es preiswertere Möglichkeiten einzukaufen. Das Preisniveau ist im Durchschnitt so wie bei uns in Deutschland. In den kleineren Orten sind Lebensmittel i.d.R. teurer. Insgesamt kann man auf der Insel einen relativ preiswerten Campingurlaub machen, sofern man als Selbstversorger nicht in die teuren Restaurants muss. Für die Fähre von Genua nach Bastia zahlten wir für 2 Personen plus PKW rd. 230 €.
Straße und Wege
An der Westküste (Calanche) sollte man mit Wohnwagen und Wohnmobil die enge Küstenstraße meiden. Unglaublich aber wahr ist, dass Busunternehmen auf diesen Strecken unterwegs sind. Allerdings mit teilweise chaotischen Auswirkungen (Staus, abenteuerliche Ausweichen und Rückwärtsfahrtaktionen). Die Wanderwege erlebten wir gut beschildert. Empfehlenswert ist der Rother-Wanderführer der detailgenau die Routen beschreibt.
Fazit
Auf vielen Wanderungen hat man gleichzeitig eine traumhafte Sicht auf das Mittelmeer. Wanderrouten gibt es für jede Altersklasse. Die Menschen die wir trafen waren hilfsbereit und entgegenkommend. Französischkenntnisse sind von Vorteil aber nicht unbedingt notwendig. Nach vier Wochen Campingurlaub und schönen Wandertagen freuten wir uns dann auch wieder auf zu Hause. Das was hängenbleibt: Korsika ist auf jeden Fall eine Reise wert.





